Unser Gehirn ist eine Schneelandschaft. Eine Welt, in der es nur Winter gibt, mit ganz viel Schnee. Wann hat es angefangen zu schneien? Es war in der Kindheit… Damals war der Winter noch etwas milder. Langsam wurde er aber immer härter. Diese Geschichte ist die Geschichte von Herrn Jedermann. Diese Geschichte ist unsere Geschichte.

Schon wieder schneit es so heftig. Kürzlich hat Herr Jedermann so ein hübsches Gerät in der Zeitung gesehen. So eine Schneefräse wars.
„Hm….“ überlegt er laut, „die will ich mir kaufen. Falls es irgendwann schon zu viel Schnee liegt, komm ich damit überallhin. Ich mache mir den Weg vom Schnee sauber und kann dann Freunde besuchen, in den Laden einkaufen gehe oder etwa zum Bahnhof um in die wärmeren Länder zu reisen. Ja, genau das mache ich!“

Also macht sich Herr Jedermann auf den Weg um diese Schneefräse zu kaufen. Da fällt ihm auf dem Weg noch ein, er würde so gerne noch beim Bäcker vorbei um Brötchen zu holen. Und das macht er. Er läuft durch den Schneesturm zum Bäcker. Offensichtlich ist er nicht der Einzige. Beim Bäcker warten schon ein paar anderen Leute in der Schlange.
„Tja, was soll‘s. Dann muss ich wohl warten.“ denkt er sich. Als er wieder rauskommt, sind schon mehr als 30 cm Schnee gefallen. Es wird langsam schwieriger voranzukommen. Also entscheidet sich Herr Jedermann zurückzugehen und holt sich eine Schaufel von zu Hause, um sich den Weg vom Schnee freizumachen. Er will die Schneefräse noch heute kaufen.
Als er wieder aus der Haustür kommt, sind wieder weitere 30 cm Schnee gefallen. Er muss sich sehr anstrengen um überhaupt einen Teil des Weges freizumachen. Das geht doch gar nicht.

Da begegnet er seinen Nachbarn, die sich gerade auch ihren Weg freischaufeln. Er erzählt ihnen von der tollen Schneefräse die er sich kaufen will um überall hinkommen zu können. „Was?“ fragt der eine und der andere Nachbar „Eine was? Neeee man, damit kommst du eh nicht weiter voran, das haben hier schon einige erzählt. So eine Schneefräse frisst nur Geld und tja, hilft doch eh nicht. Guck dir die Mengen von Schnee doch an, sei nicht dumm und schaufle einfach mit deiner Schaufel weiter.“

Hm… Herr Jedermann wird langsam skeptisch. Da erzählt ihm ein guter Freund vom Nachbarschaftsblock, dass es die Schneefräse im Laden gar nicht mehr gibt – er hätte sich umgehört – und überhaupt, ein Freund von einem Freund, von der Frau von seinem Bruder, hatte die schon mal und sie hätte nicht funktioniert.

„Lass diese verrückte Idee und mach doch den Weg mit deiner Schaufel frei, genauso wie wir!“

Herr Jedermann denkt noch kurz an die Fräse. Allerdings schneit es immer heftiger und umso mehr muss er schaufeln. Irgendwann ist er schon so erschöpft, dass er gar nicht mehr an die Schneefräse denkt. Und überhaupt, er hat es zum Glück geschafft den Weg zum Bäcker freizumachen. Da kann er sich zumindest im Notfall was zum Essen holen. Und so geht er erschöpft wieder nach Hause.

Es schneit und schneit und schneit und so langsam kann er nur noch durch den freigeschaufelten schmalen Weg zum Bäcker gehen. Und je mehr es schneit, umso unrealistischer scheint es, dass er mal einen anderen Weg außer dem zum Becker vom Schnee befreit. Langsam vergisst Herr Jedermann sein ursprüngliches Ziel: die Schneefräse.

„Es gab da mal so ein Gerät, „denkt er eines Tages, „ich erinnere mich nur noch ganz vage daran. So ein Wundergerät wars…oder eine Illusion? Ja, damit hätte man den Weg wohl schneller und effektiver vom Schnee sauber machen können. Oder wars Quatsch, und ich habs mir ausgedacht? Es gibt doch gar nichts was diese Mengen an Schnee besiegen kann. So n Quatsch! Ich komme doch über den freien Weg zum Bäcker, das reicht erstmal. Ich verhungere nicht.“

Die Schneefräse gerät in Vergessenheit, und mit ihr auch all die Dinge, die sonst noch möglich wären. Dass er auch zum Bahnhof oder Flughafen kommen könnte, dass er mal abreisen wollte, dass er auch mal zur Abwechslung in ein Restaurant gehen könnte und sich was Besseres als Brötchen zum Essen holen könnte. Die Brötchen kotzten ihn schon langsam an…Langsam vergisst er aber auch, dass es die anderen Möglichkeiten gibt. Alle anderen gehen doch zu Bäcker. Dann wird’s wohl richtig sein.

Eines merkt Herr Jedermann allerdings immer wieder. Er wird unzufrieden, er nimmt langsam immer mehr an Gewicht zu. Er wird frustriert. Er hat keine Motivation mehr, keine Ambitionen, keine Träume mehr. In seiner Verzweiflung versucht er einmal einen anderen Weg durch die zwei Meter hohe Schneelandschaft sauber zu machen. Er weiß aber nicht wohin der Weg führen soll. Er sieht doch gar nichts außer einem Schneeberg vor ihm. Nach ein paar Versuchen gibt er schließlich auf. Und schaufelt nur noch den bekannten, sicheren Weg zum Bäcker frei.

Was machen wir anders als Herr Jedermann? Unsere traumatischen Erfahrungen hinterlassen in unserem Gehirn einen schmalen, mit der Schaufel vom Schnee befreiten, neurologischen Weg. Diesen Weg gehen wir dann immer wieder und wieder und wieder. Irgendwann trauen wir uns gar nicht mehr, einen anderen Weg frei von Schnee zu machen. Wir denken „das schaffe ich nicht“. Zudem rät uns unser soziales Umfeld vehement davon ab. Also geben wir auf. Wir sehen gar nicht mehr was mit einer Schneefräse alles möglich wäre. Wir verlieren den Glauben an die Schneefräse und all die anderen möglichen Wege, an all die anderen schönen Dinge. Wir vergessen, dass es überhaupt andere Mittel gibt. Und so vermitteln wir es auch unseren Kindern: es gibt nur diesen einen schmalen vom Schnee befreiten Weg. Diesen Weg musst du jetzt immer gehen. Da kommst du ganz sicher zum Bäcker. Dort kannst du dir leckere Brötchen holen. Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Wir denken nicht mehr groß, wir geben unseren Glauben auf. Wir denken nicht mehr über das leckere Essen, über gute Restaurants, über die warmen Länder, über die Schneefräse, nach. Wir träumen nicht groß, wir leben nicht groß.

Die KOPS Methode ist eure Schneefräse. Auch wenn ihr, den Glauben schon aufgegeben habt. Wenn ihr mit dieser Schneefräse arbeitet, werdet ihr erstmal erkennen, dass ihr den gleichen Weg geht, die ganze Zeit den gleichen Weg zum Bäcker. Es wird euch bewusst, dass es außer diesen einen Bäcker auch andere Restaurants und Läden gibt. Ihr werdet sehen, dass es auch andere Optionen gibt, und folglich werdet ihr mit dieser Schneefräse einen Weg dahin vom Schnee befreien können. Und schließlich werdet ihr euch mindestens doppelt so schnell durch eure Schneelandschaft bewegen. Ihr werdet den Unterschied sofort merken. Ihr werdet all die leckeren Restaurants entdecken, die ihr schon längst vergessen hattet. Ihr werdet wieder groß denken und die Möglichkeiten eurer Schneelandschaft erkunden.